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14. Februar 2020

Abschiedsvorlesung von Prof. Dr. Wolfgang Fleckenstein

Rückblick in Wort und Bild

Bitte auf das Bild klicken um das Fotoalbum zu öffnen… ©LSRS
Bild-Betrachtung anlässlich der Dankandacht

Wolfgang sagt von sich, dass er ein Augen-Mensch ist. Augen-Menschen haben eine Beziehung zu Farben. Beim Entstehungsprozess einer Ikone spielen Farben eine zentrale Rolle.

Als Religions-Pädagoge hat Wolfgang immer wieder in seiner beruflichen Laufbahn andere Menschen angeleitet, Bilder zu sehen. Und so möchte ich Euch einladen, in seinem Sinne, diesen Dank-Gottesdienst zu beginnen indem wir das Bild betrachten, mit dem er uns zu dieser Feierstunde eingeladen hat.

Ein Bild betrachten geht einher mit einer Verlangsamung. Wir stellen das Denken bewusst zurück und konzentrieren uns auf diesen einen unserer fünf Sinne: das Sehen. Was sehen wir auf diesem Bild? Wie würde ich einem blinden Menschen dieses Bild beschreiben? Welchen Titel würden Sie dem Bild geben?

Mein Titel wäre Übergang. Wolfgang, da du dieses Bild gewählt hast, nehme ich an, es drückt etwas aus, von dem Übergang, in dem du dich befindest, und den wir heute mit dir feiern!

Die Perspektive des Fotographen geht von drinnen nach draußen – er (oder sie) befindet sich auf einem Weg, die Bewegung führt aus einem dunkleren Raum in eine helle Sphäre, wo das Tageslicht auf einen Baum fällt – das Grün der Blätter ist die einzige kräftige Farbe und es gibt dem Bild seinen Kontrast.

Vier kunstvolle Bögen, von Menschenhand gemacht, weil leicht unregelmäßig, deuten an, dass der Raum, den der Fotograph verlässt, ein sakraler Raum sein könnte.

Die Linse des Fotographen ist nicht auf den sakralen Raum ausgerichtet, (das hätte auch zu dir gepasst, Wolfgang!) Der Fokus geht hier nach „draußen“: in die Natur! Als Theologe oder gläubiger Mensch: in die Schöpfung!

Und sollte diese nicht sakral sein? Sie ist es, in dem Sinne, dass sie vom unfassbaren, geheimnisvollen und zärtlichen Gott eine Ahnung vermitteln kann. Übergang… Möge der Übergang, der Rückblick auf das was war, der Ausblick auf das was kommt, gesegnet sein!

Christiane Kremer-Hoffmann, Mitarbeiterin der LSRS

Dankesworte von Michel Bingen

Lieber Wolfgang,

Von dieser Stelle aus möchte ich Dir ein recht herzliches Dankeschön sagen, für alles, was Du für die Ehevorbereitung in Luxemburg getan hast.

In einer Zeit, wo wir nicht mehr wussten an wen wir uns wenden sollten, haben wir uns kennen gelernt. Das „Centre de pastorale familiale (CPF)“ gab Anfang des vergangenen Jahrzehnts seine religiöse Dimension auf und somit auch die Ehevorbereitung. Das CPF war die eigentliche Heimat der „animateurs bénévoles“ hier in Luxemburg. Darauf folgte eine „Familienpastoral (FaPa)“ welche im Rollingergrund beheimatet war. Um die große Frage zu beantworten, wie es mit der Ehevorbereitung weitergehen sollte, wurde das Arbeitsteam „groupe de réflexion sur la Préparation au Mariage“ geschaffen. Das war 2012 und dort haben wir dann zusammengearbeitet.

In der Zusammenarbeit mit Anny Hesius hast Du es fertiggebracht, neue Animateure anzuwerben, eine luxemburgische und eine französischsprachige Grundausbildung auf die Beine zu stellen und ganz nebenbei noch eine Dokumentation für die neuen Begleiter auszuarbeiten.

Und wir dürfen nicht vergessen, dass die „normalen“ Sessionen der Ehevorbereitung weitergingen, wie wenn nichts geschehen wäre.

Die Kandidaten, welche kirchlich heiraten, so anzunehmen wie sie sind und ein Stück Weg mit ihnen zu gehen, und ihnen so ganz nebenbei die Frohe Botschaft von Jesus Christus näher zu bringen, ist seit jeher eine Herzensangelegenheit von Dir.

Durch Dein großes Wissen und Deine sanfte, demütige Art hast Du es fertiggebracht, der Motor der Ehevorbereitung zu sein und eine gewisse Dynamik auszulösen.

Außerdem hast du die Zusammenarbeit mit der „Fédération internationale des Centres de préparation au mariage (FICPM)“ immer gefördert und durch Deinen Impuls konnten wir im November des vergangenen Jahres eine internationale Tagung organisieren, welche bei allen Teilnehmern nur des Lobes war.

Seitens aller Animateure in der Ehevorbereitung hier in Luxemburg sei Dir, lieber Wolfgang, ein herzliches Dankeschön gesagt. Damit diese schönen Momente, welche wir zusammen erleben durften, nicht in Vergessenheit geraten, haben wir Dir ein bescheidenes Andenken besorgt und wir hoffen, dass Du uns in guter Erinnerung behältst.

Danke für alles!

Michel Bingen, Vertreter der Animateure

Ansprache von Direktor Prof. Dr. Dr. Jean Ehret

Sehr geehrter Herr Weihbischof,
sehr geehrter Herr Generalvikar,
sehr geehrter Herr Rektor der Theologischen Fakultät Trier,
verehrte Kollegen der Trierer Theologischen Fakultät,
verehrte Kolleginnen und Kollegen,
meine Damen und Herren,
verehrte Frau Fleckenstein, lieber Wolfgang, und hier an der LSRS auch ganz besonders
sehr geehrte Vertreter der anderen Religionsgemeinschaften und christlichen Konfessionen,

Herzlich willkommen an der Luxembourg School of Religion & Society zur Abschiedsvorlesung von Professor Dr. Wolfgang Fleckenstein. Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für diesen öffentlichen Vortrag nehmen, der nicht in der Vergangenheit verweilen möchte, sondern resolut in die Zukunft schauen will. Ihre Präsenz ehrt unseren langjährigen, verdienten Kollegen, dem hohe Anerkennung für sein Wirken in Luxemburg zukommt. Ja, er hat sicherlich Erwachsenenbildung in Luxemburg maßgeblich geprägt. Nur einige Punkte kann ich hier aufzählen; ich lade Sie bereits jetzt dazu ein, zu erwägen, was ich alles vergessen werde und dies in den Dank mit einzuschließen.

Wolfgang Fleckenstein kam nach Luxemburg als es noch keine Luxembourg School of Religion & Society gab; er engagierte sich als Chargé de direction in der ErwuesseBildung und baute diese mit ihrem vielfältigen Angebot auf. Religion & Gesellschaft, Religion in der Gesellschaft, Religion für die Menschen der Gesellschaft war und ist ihm ein Grundanliegen. Dies drückt sich z. B. in der Medienarbeit aus, die er aufgebaut hatte oder im Bücherzelt der Oktave; es sind nur zwei Tätigkeiten, die ihm als Pädagoge ebenso am Herzen lagen wie die Arbeit in Gruppen, wo Menschen Erfahrungen aussprechen, bedenken und so verarbeiten konnten, dass sie sich selbständig den Herausforderungen ihres Lebens stellen konnten. Im Zentrum seiner Arbeit stand und steht der Mensch mit allen Aspekten, die zu ihm gehören, oder besser noch gesagt, die konkrete Person in ihrer jeweiligen Situation.

Wolfgang Fleckenstein ist Theologe mit Leib und Seele. Aber seine Theologie erschöpft sich sicherlich nicht in wahren, aber abstrakten Aussagen über Gott. Vielmehr ist seine Tätigkeit in der Erwachsenenbildung gelebte Theologie: Zuwendung zum Menschen, wie sie Gott entspricht und die dazu beiträgt, dass der Mensch mit Leib und Geist, mit Geschichte und Transzendenz, die Freiheit, zu lieben entwickeln kann, die seine tiefste Würde und Berufung darstellt.

Im Zuge der Neuorganisation der diözesanen Bildungsarbeit und der Gründung des diözesanen Zentrums für Bildung, Forschung, Dialog und Dokumentation kam Wolfgang Fleckenstein als Professor für Religionspädagogik und Bildungsfragen an das Centre Jean XXIII. Erinnern kann ich mich noch an einen unserer ersten gemeinsamen Kurse, in dem der damalige Professor für Exegese, Tom Osborne, Wolfgang Fleckenstein als Religionspädagoge, und ich als Dogmatiker zusammen biblische Texte für Religionslehrerinnen erschlossen. Damit hatten wir gewissermaßen Neuland betreten, denn es ist bis heute selten, dass drei Lehrer interaktiv arbeiten. In diesen Kursen brachte Wolfgang Fleckenstein seine Kenntnisse über Ikonen und die Liebe zu dieser Spiritualität mit ein. Dazu hat er später nicht nur ein sehr gelungenes Buch verfasst, sondern er leitet regelmäßig Ikonenmalkurse, die eine Art sind, Exerzitien zu machen. Es freut mich, dass er auch nach seiner Pensionierung noch einen Kurs bei uns anbieten wird.

Die Spiritualität der Ikonen führt zudem nicht nur zur ökumenischen Begegnung mit der Ostkirche, sondern im Centre Jean XXIII auch zur Begegnung mit dem Judentum: André Weil, der Ehemann der Bibliothekarin des jüdischen Konsistoriums, und Wolfgang Fleckenstein hatten gemeinsam Ikonen, die sie geschrieben hatten, ausgestellt. Interreligiöser Dialog und Ökumene gehörten für Wolfgang Fleckenstein ebenso zum Angebot der Erwachsenenbildung wie auch die Bewahrung der Schöpfung. Die Grundgestalt der Angebote, die unser Mitarbeiter, Herr Ingo Hanke, heute koordiniert und auch mitgestaltet, trägt die Handschrift von Wolfgang Fleckenstein, dem es ein Anliegen war, dass die Erwachsenenbildung der Luxembourg School of Religion & Society nicht nur akademisch anspruchsvolle Vorträge, sondern auch niederschwellige Angebote bereithält. Damit vielen, denen heute Kirche sehr fremd ist, sie auch neu als Lebensraum entdecken können, hat er, in Zusammenarbeit mit Frau Christiane Kremer-Hoffmann, die dies weiterführt, eine Kirchenführerausbildung aufgestellt, die zu den Bestsellern der LSRS gehört. Ebenso hat er mit Frau Renée Schmit einen neuen Comic Band erarbeitet, der Wallfahrtsorte in Luxemburg vorstellt; das Buch erreicht wohl Menschen, die sonst kaum etwas Kirchliches in die Hand nähmen. Wolfgang Fleckenstein hat sich seit der Gründung der LSRS im Jahre 2015 immer wieder mit ihrem Grundanliegen, dem Dialog der Religionsgemeinschaften mit den verschiedenen Akteuren der Gesellschaft identifiziert, kritisch mitgedacht, aktiv eingebracht.

Dies betrifft auch die Ehevorbereitungskurse, die in seiner Verantwortung lagen. Mit Anny Hesius, die bereits im Ruhestand ist, mit Frau Guillemette Trias, die lange ehrenamtlich tätig war, und mit Herrn Marco Hahn, hat er diesen Bereich nicht nur verwaltet, sondern eine Ausbildung für die Animateure aufgebaut, die dazu befähigen soll, die Menschen, die anlässlich ihrer Hochzeit den Weg zur Kirche, in die Kirche finden, willkommen zu heißen und in ihrer eigenen Geschichte so zu begleiten, dass sie die Spuren Gottes in ihrem Leben entdecken können. Wir bringen Gott nicht zu den Menschen; wir können aber helfen, seine Gegenwart wahrzunehmen.

Wenn ich das alles zusammenfassen soll, kann ich sagen, dass für Wolfgang Fleckenstein, Bildung, die aus dem christlichen Glauben entspringt, nicht bestimmten Gruppen vorbehalten sein kann, sich nicht nur um einzelne Dimensionen des Menschen kümmern darf und sei es seine Rechtgläubigkeit, sondern ihn immer ganz im Blick behalten muss. Dann aber ist sie gelebte Theologie in der Nachfolge Christi. Wie dies auch in Zukunft sein soll, gelingen kann, wird, so denke ich, Wolfgang Fleckensteins Zukunftsrede uns ans Herz legen. Ihm möchte ich aber jetzt als Direktor, als Vertreter des ganzen Hauses, aber auch ganz persönlich und von Herzen danken für seinen langjährigen Einsatz, für seine Leidenschaft, für das, was er nicht nur als Theologe und Pädagoge, sondern vor allem auch als Mensch zum Leben dieses Hauses und zur Entfaltung von dessen Auftrag beigetragen hat. Ja, Wolfgang, ich gestehe auch: Wenn Du nicht so ein sanfter Mensch wärest, hätten wir nicht gut zusammen arbeiten können. Du bist ein Segen und der Segen Gottes soll Dich und Deine Familie auch weiterhin begleiten!

Jean Ehret, Direktor der LSRS

 
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