fr lb de it pt en
Présentation . Presentation
12. April 2019

Beziehungen überdenken, ordnen, leben

„Religion“ und „Gesellschaft“ sind die beiden Hauptaufgabengebiete der LSRS

Begriffe wie Centre Jean XXIII, Grand Séminaire, Luxembourg School of Religion & Society sind durchaus geläufig, dennoch ist nicht jedermann bekannt, was die Berufung dieser Institutionen ist und welche Aktivitäten dort stattfinden.

Abseits des regen Betriebs des Europa- und Businessviertels Kirchberg, auf einer Anhöhe des Stadtviertels Weimershof/Neudorf, liegt, eingebettet in der Natur und umgeben von einem Grüngürtel mit hohen Bäumen, das Centre Jean XXIII. Dieses ist vielfach im allgemeinen Sprachgebrauch nur als „de Seminaire“ bekannt. Eine solche Einrichtung ist traditionell ein Institut, das Geistliche ausbildet. Die Bestimmung des Centre Jean XXIII geht jedoch grundlegend über die Tätigkeit der reinen Priesterausbildung hinaus. Kirche und Gesellschaft haben sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt, deshalb ist das Centre Jean XXIII – Grand Séminaire seit Oktober 2013 das Zentrum für Bildung, Forschung, Dialog und Dokumentation der Erzdiözese Luxemburg.

2015 wurde die Luxembourg School of Religion & Society (LSRS) gegründet, unter deren Label das Centre Jean XXIII seitdem alle Forschungs-, Schulungs- und Weiterbildungsaktivitäten sowie die Erwachsenenbildung und seine Bibliothek zusammenfasst. Die LSRS richtet das Augenmerk einerseits auf religiöse Tradierungs- und Transformationsprozesse, andererseits auf die ethischen Fragen in einem pluralistischen Umfeld.

Der Name ist Programm

„Der Name ,Luxembourg School of Religion & Society‘ ist in unserem Land ebenso verwurzelt durch die Bezugnahme auf Luxemburg wie die internationale Öffnung und Ausrichtung durch den englischen Titel. Das wichtigste Element, ,&‘, ist jedoch das, was die Verbindung symbolisiert: Religion und Gesellschaft pflegen wechselseitige Beziehungen und Einflussnahmen, die je nach historischem und kulturellem Kontext in stetiger und diversifizierter Entwicklung sind. Diese Gegebenheiten zu untersuchen, die komplexen Zusammenhänge zu verstehen und diese Prozesse auch noch zu verändern, ist ein weites Arbeitsfeld“, erklärt Prof. Dr. Dr. Jean Ehret, Direktor der LSRS, dem „Luxemburger Wort“ gegenüber [1].

Die Initiative zur Schaffung des neuen akademischen und pädagogischen Akteurs LSRS entstand aus dem Austausch zwischen Professorenkollegen. Gemeinsam wollten sie einen Ort für tief gehende Reflexion schaffen, einen Raum für die Pflege eines respektvollen Dialogs zwischen Religionen und philosophischen Überzeugungen, sowie innovative Trainingsprogramme ausarbeiten, die eng mit der Entwicklung der Zivilgesellschaft und der Religionsgemeinschaften zusammenhängen. „Die Zusammenarbeit mit anderen Religionsgemeinschaften, die ein Abkommen mit dem Staat unterschrieben haben, ist uns besonders wichtig“, unterstreicht Jean Ehret. Durch diese Kooperation gibt die LSRS eine kreative Antwort auf die sich verändernde soziale, politische, kulturelle und religiöse Landschaft in Luxemburg. Sie leistet des Weiteren einen Beitrag zu religiösen Identitäten, einer verantwortungsbewussten Bürgerschaft, dem sozialen Zusammenhalt und Respekt der kulturellen Vielfalt. „Wir möchten nicht die Fragen von gestern stellen. Sie haben ihre Antworten erhalten. Natürlich stöbern und graben wir in Geschichte und Tradition, aber wir konzentrieren uns auf die Bedürfnisse unserer Gesellschaft und der Kirche von heute. Wir möchten auch nicht die Fragen eines geschlossenen Kreises von Spezialisten oder eines bestimmten Milieus stellen. Wir sind fest davon überzeugt, dass wir bei deren Beantwortung auch unseren eigenen Glauben, dessen Geschichte, Traditionen und das Wort Gottes selbst in einem neuen Blickwinkel entdecken werden und leisten so einen bescheidenen Beitrag zum bewegten und ereignisreichen Leben der Theologie“, betont der LSRS-Direktor.

Die LSRS entwickelt und fokussiert ihre Forschungs- und Lehraktivitäten hauptsächlich auf zwei Sparten: Der Fachbereich „Religion, Kommunikation, Bildung“ beschäftigt sich mit der Frage, wie man in einer nordatlantischen, pluralistischen, säkularisierten Gesellschaft eine religiöse Person sein oder werden kann, indem man sich auf die Weitergabe des Glaubens zwischen den Generationen konzentriert. Der Fachbereich „Öffentliche Verantwortung“ befasst sich mit der Frage, wie Religionen einen Beitrag zur Lösung ethischer Probleme leisten können, dies insbesondere im Bereich der Finanzwelt, des Gesundheitswesens, der gemeinsamen Verantwortung für die Welt. Es geht nicht um religiöse Dominanz, sondern um gegenseitiges Lernen in interdisziplinärer Forschung und verschiedenen Bildungsangeboten.

Stichwort: Bibliothek(en)

Die LSRS kann auf zwei religionswissenschaftliche, philosophische und kulturelle Bibliotheken im Centre Jean XXIII zurückgreifen. Zum einen, die hauseigene Bibliothek, die aus etwa 150.000 Bänden besteht und zum Teil historische Unikate beherbergt, darunter einen bemerkenswerten Fundus an „Luxemburgensia“ mit über 20.000 Werken; zum anderen jene des jüdischen Konsistoriums in Luxemburg. Mit der Hilfe und technischen Unterstützung der Nationalbibliothek ist hier ein wahres interreligiöses Dokumentationszentrum entstanden. Beide Bibliotheken sind denn auch dem Netzwerk bibnet.lu beigetreten und ihre Sammlungen sind in dessen Gemeinschaftskatalog zu finden und einzusehen.

Zusammenarbeit und Transparenz

Auf akademischer Ebene unterhält die LSRS einen regen wissenschaftlichen Austausch unter anderem mit uni.lu, der theologischen Fakultät Trier und dem Elie-Wiesel-Institut in Paris.

Seit Schaffung der LSRS vor vier Jahren unterliegt deren Finanzplanung einer sorgfältigen Kostenrechnung sowie einer externen Prüfung der Buchhaltung.

  • Ein Juwel der Luxembourg School of Religion & Society (LSRS) im Centre Jean XXIII sowie ein Fundus an Wissen und Intelligenz sind die hauseigene Bibliothek und jene des jüdischen Konsistoriums in Luxemburg.
  • Über 150.000 Bände, die aneinandergereiht fast viel Kilometer Länge ausmachen, werden hier aufbewahrt, darunter einige Handschriften sowie ein bedeutender „Fonds ancien“, der die intellektuelle Geschichte der Region Luxemburg zum Teil darstellt.
  • Zitat Jean Ehret: „Tradition und Engagement für die Zukunft unserer demokratischen, multikulturellen Gesellschaft kreativ miteinander verbinden.“

An dieser Stelle möchten wir dem „Luxemburger Wort“ für die Bereitstellung des Materials danken.
Text: © Jean-Paul Schneider.


[1Quelle: Jean-Paul Schneider, „Beziehungen überdenken, ordnen, leben“, in Luxemburger Wort, Samstag und Sonntag, den 9./10. Februar 2019, S. 22.

 
LUXEMBOURG SCHOOL OF RELIGION & SOCIETY
LSRS – Centre Jean XXIII
52 rue Jules Wilhelm
L-2728 Luxembourg

Twitter
Facebook
Linkedin
© Luxembourg School of Religion & Society
certains droits réservés . Some Rights Reserved

Dateschutz . Protection des données
Ëmweltschutz . Protection de l'environnement
+352 43 60 51
office lsrs.lu