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Pr Dr Mouez Khalfaoui
2. April 2020

Drei Fragen an Prof. Dr. Mouez Khalfaoui

Mouez Khalfaoui ist von April bis September 2020 Visiting Professor für islamische Theologie und islamisches Recht an der Luxembourg School of Religion & Society. Er ist Gründungsmitglied des Zentrums für islamische Theologie der Universität Tübingen, wo er seit 2012 unterrichtet und forscht. Die LSRS und die Exzellenz-Universität Tübingen sind Kooperationspartner.

  • 1. Professor Khalfaoui, warum kommen Sie gerade nach Luxemburg? Sie hätten ganz andere Forschungsinstitute besuchen können.

Ich habe bereits intensive Diskussionen mit dem Direktor der LSRS sowie mit anderen Kollegen dort geführt. Der Ansatz, mit dem man Religion und Gesellschaft angeht, gefällt mir sehr. Außerdem möchte ich mit meiner bescheidenen Erfahrung gerne einen Beitrag leisten, um die LSRS als internationale Referenzinstitution für gesellschaftliche und religiöse Angelegenheiten zu etablieren. Ich komme aus einem Institut, das erst vor ein paar Jahren entstand, die LSRS ist auch jung und ich finde es ausgesprochen gut, zusammen zu arbeiten und zu wachsen.

  • 2. Sie sind in Tunesien aufgewachsen, haben in Deutschland studiert und leben dort. Sie sind gläubiger Muslim. Welchen Herausforderungen gilt es sich als Muslim in Europa zu stellen?

Die Erfahrungen aus anderen Ländern stellen einen Beitrag zu einer pluralen Gesellschaft dar. Ich verstehe moderne demokratische Gesellschaften nicht in einer partikularen Form; sie brauchen den Zusammenhalt aller ihrer Bürger. Abgesehen von kleinen Differenzen, haben wir alle in Europa mit den gleichen Herausforderungen zu tun wie etwa die Globalisierung, Migration, Ökologie, Arbeit und nicht zuletzt Epidemien. So plädiere ich nicht für Sonderrechte für Muslime, sondern für gute Rechte für alle.

  • 3. Inwiefern betrifft die Coronakrise die muslimische Theologie? Kann die Theologie einen wesentlichen Beitrag in der Krise leisten?

Oft wird Theologie als Teil des Problems angesehen, vor allem wenn es um den Islam geht. Als Theologe sehe ich den Islam eher als Teil der Lösung. Die Religionen weisen eine lange Erfahrung mit Krankheit und Epidemien aus. Theologen sind gefordert, in Zusammenarbeit mit anderen Akteuren wie Medizinern, Forschern usw., den Weg aus der zu Krise finden; die Lösung braucht neue ethische Orientierungen. Hierzu kann die Islamische Theologie vieles leisten aufgrund ihrer langen Erfahrung in Asien und Afrika.

3 Fragen an Prof. Dr. Mouez Khalfaoui
PDF 155.1 kB, 2. April 2020
 
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